Kennen Sie das Kinderbuch "Rasmus und der Landstreicher" von Astrid Lindgren?

Da warten alle Kinder im Waisenhaus darauf, daß Eltern kommen, eines von ihnen aussuchen und mit zu sich nehmen. Wenn ein Ehepaar kommt, dann machen sich alle besonders schön oder versuchen, durch irgendwelche Taten aufzufallen. Nur die Jungen mit den glatten braunen Haaren wissen, daß sowieso nur Mädchen mit blonden Locken genommen werden.

Daran erinnern mich immer die Katzen im TH. Es gibt welche, die auffallen wollen, damit sie ja nicht übersehen werden und es gibt die Jungen mit den glatten Haaren, die schon resigniert haben.

Der folgende Text zum Thema hat mich sehr berührt:

Im Tierheim warten Katzen, die ihr Zuhause verloren haben, auf eine neue Chance.

Diejenigen, die sehr jung, sehr hübsch, sehr selbstbewusst sind, überzeugen Besucher sehr schnell von sich. Doch die Katzen, die still im Hintergrund warten, sind alles andere als zweite Wahl.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen nach Hause, aber Ihr Schlüssel passt nicht mehr. Ihre Familie, alles was in Ihrem Leben wichtig war, ist weg. Sie stehen vor dem totalen Nichts.....Wären Sie jetzt in der Stimmung, erfolgreich ein Bewerbungsgespräch um einen wichtigen Job zu führen?

Genau in dieser Situation aber befinden sich Katzen im Tierheim. Die wenigsten Tiere dort werden von einem liebevollen Besitzer gebracht, der vergeblich versucht hat, die Trennung zu vermeiden. Fundkatzen überwiegen – zurückgelassene, brutal ausgesetzt Tiere, denen der Schock und die Angst nach dem Erlebten tief in den Knochen sitzen.

Das Tierheim ist eine Ausnahmesituation

Mit einem verständnisvollen Menschen an ihrer Seite, in einer Umgebung, die das Gefühl von Geborgenheit vermittelt, kommt eine Katze über diese Erfahrung hinweg. Doch ein Tierheim ist, bei aller Mühe der Pfleger, dafür kaum der geeignete Ort. Dazu sind dort zu viele Tiere auf engem Raum, zu viel Stress, zu viele Gerüche und Geräusche. Für viele Katzen dauert ihr Alptraum im Tierheim immer noch an. (Das ist durch die Messung von Stresshormonen im Blut inzwischen auch wissenschaftlich bewiesen) Sie verkriechen sich, versuchen sich „unsichtbar“ zu machen. Viele retten sich, indem sie sich ganz in sich selbst zurückziehen, die anderen Katzen und vor allem all die fremden Menschen, die laufend vor ihnen stehen, einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Dummeweise sollen sie genau mit diesen Menschen ein „Bewerbungsgespräch“ über eine mögliche Adoption führen..

Schauen Sie auch nach den „Aschenputteln“

Der Mensch, auf der Suche nach einer schnurrenden Lebensgefährtin, hat vor der Tierheimtür vielleicht noch klare Vorstellungen, was für eine Katze er sucht – um sie hinter der Tür sehr schnell zu vergessen. Da sind die Katzenwelpen, die mit geballtem Baby-Charme auf den Besucher zustürzen und ihn (fast immer) sehr schnell um die kleine Pfote wickeln. Bei den älteren Tieren drängen sich die Selbstbewussten, die Dominanten, in den Vordergrund. Sie sehen ihre Chance und nutzen sie konsequent. Sie schmeicheln um die Beine, wollen auf den Arm und schnurren „Hol mich hier raus“ in allen Tonlagen, weil sie wissen, dass ein entzückter Besucher ihr Passierschein in ein neues Leben sein kann. Die Schüchternen, die Sensiblen, die Älteren, die seelisch Verletzten, die sich nicht perfekt als Traumkatze präsentieren können, haben dagegen schlechte Karten. Damit Sie aber wirklich ihre ganz persönliche Traumkatze im Tierheim finden, sollten Sie sich an diese Regeln halten: Überlegen Sie vorher, welche Katze in Ihr Leben passt und was Sie ihr bieten können. Setzen Sie sich nicht unter Druck, nach dem Motto „Heute Vormittag gehe ich ins Tierheim und hole mir eine Katze“.

Nehmen Sie sich im Tierheim Zeit die Katzen zu beobachten und kennenzulernen. Lassen Sie sich nicht gleich von der ersten selbstbewussten Katze, die sich herandrängt, „überzeugen“.Schauen Sie sich besonders die zurückhaltenden Katzen im Hintergrund an. Kommen Sie notfalls mehrmals – sie könnten sonst eventuell den Fund Ihres Lebens verpassen.

Quelle: Jutta Aurahs

 



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